Der Ort in meiner Heimat an dem man so manchem Erfinder und Tüftler begegnet, erzählt so einige Erfolgsgeschichten, die den Schwarzwald bekannt machten und für einen Wirtschaftsaufschwung sorgten. Ob Uhrmacher, Glasbläser, Schatzgräber oder Holzhändler, was wäre denn ohne sie aus dem Schwarzwald geworden? Doch das einst kleine Volk pflegte seine Tracht, tanzte zu Orgelfesten -die bis heute nur noch in Waldkirch stattfinden- und feiert bis zum heutigen Tag die alemannische Fasnet. Auf den Spuren geschichtlicher Hintergründe führt es mich zur Stadt mit den höchsten Wasserfällen Deutschlands, nämlich nach Triberg in die denkmalgeschützte Gewerbehalle, das Schwarzwaldmuseum.

 

Die ehemalige Gewerbehalle

Weil sie die Tourist Info enthält und eine beliebte Anlaufstelle für Gäste ist, muss ich die, mit Schwarzwaldfiguren bemalte, über 1600 qm große Halle nicht lange suchen. Da das Museum Mitglied des „Museums-PASS-Musées“ ist, muss ich keinen Eintritt bezahlen und zücke nur die Karte. Den Audio Guide, der mich durch das Museum lotst und unterhält, nehme ich gleich mit und bekomme noch einen Wegweiser hinzu. Vorbei an Souvenirs, DVDs und Büchern gelange ich schließlich in die Eingangshalle.

Aussenansicht des Schwarzwaldmesums
Das Schwarzwaldmuseum

Ohne Führer, aber mit Audio Guide

Praktisch ist dieses Gerät, das sich problemlos zurückspulen lässt. So bekomme ich alles mit, auch wenn die Wiedergabe durch den benachbarten Musikautomaten übertönt wird. Anhand der Ziffernfolge 003 bis 102 an jeder Schautafel, Sammlung oder Exponat erfahre ich über Kopfhörer Wissenswertes dazu. Durch Eingabe der Ziffer und Druck auf der Playtaste begrüßt mich ein kurzer Kuckucksruf und beginnt mit der Einführung ins Museum. Hier erfahre ich auch, dass die eigentlichen Gründer des Museums, Familie Schwer, auch Gründer der einst weltgrößten Radio- und Fernsehgerätefirma Saba aus Villingen – heute Villingen-Schwenningen sowie der Triberger Gewerbeverein waren.

Rundum Schwarzwald

Glasbläsereierzeugnisse spiegeln sich in Vitrinen wieder, menschengroße Puppen und Puppenfiguren in Tracht zeigen sich in ihrer Eleganz, Malereien von namhaften Künstlern, Bilder aus Vergangenheiten und Exponate aus der Wallfahrtskirche in Triberg lassen die Historie erneut aufleben. Im hinteren Raum sitzt eine Puppe, die Stroh flechtet. Auch der längst in Vergessenheit geratene Beruf „Schnefler“ ist hier lebensecht zu sehen. Hervorzuheben ist, dass hier das älteste Glas von der Firma Äule am Schluchsee aus dem Jahre 1723 exponiert ist.

Glasbläsereierzeugnis der Firma Eule am Schluchsee
das älteste Glas aus 1723

Handwerk und Wohnraum eines Schwarzwälders

Er war wohl sehr bekannt, dieser handwerksbegabte Bildhauer „Schnitzersepp“, wie ich an seinen Schnitzereien aus Kiefernholz im nächsten Zimmer erkenne. Wände, Decken und Lampen sind in dunklem Holz gehalten und kleine Figuren schmücken die Vitrinen. Schließlich erwartet mich eine Bauernschlafstube mit Bett, Kamin und Uhrmacherwerkstätte, als ich die knarrenden Holzstufen zur Empore hinaufsteige. Neben dem Kamin sitzt eine Puppe bei der Bearbeitung von Lackschilduhren.

Malerei auf Lackschilduhren im Schwarzwald
Lackschilduhrenmacher

„Kuckuck, Kuckuck“ ruft es im modernen Anbau

Nun gelange ich an eine über 3m lange Wand, die Schwarzwalduhren auf einer Zeittafel präsentiert. Beginnend mit Schilderuhren, die nur einen Zeiger besitzen, Lackschilduhren zum Aufziehen, Kuckucksuhren und zuletzt den Automatenuhren. Wie es damals für die vollbepackten Uhrenhändler wohl war, in ferne Länder zu marschieren und dabei ihren Lebensunterhalt zu  verdienen? Die riesige Uhr aus der Triberger Stadtkirche fällt mir hier zuletzt in den Blick. Seit der Zerstörung des Gotteshauses ist sie im Besitz des Museums.

Kuckucksuhr und Schilderuhren im Schwarzwald
Schwarzwalduhren

Hier spielt die Musik!

Eine ganz besondere Persönlichkeit im Spieluhrenbau war Carl Blessing. Seine Orchestrien sowie Musikautomaten aus Leipzig eroberten den Weltmarkt. Auf ein ausgestelltes Grabdenkmal und durch Tippen der Nr.43 auf meinem Gerät erfahre ich etwas über sein Leben. Flöten-, Glockenspiel-, und Trompeteruhr, Jahrmarktsorgeln das sich mir nun offenbart, haben eines gemeinsam: Früher unterhielten sie die Menschen, bevor durch die Einführung des Rundfunks und des Schallplattenspielers der Verkauf weltweit einbrach. An einer Säule mit Kopfhörern und einer Auswahl von 4 Melodien höre ich mir nun das Flötenspiel von Josef Haydn an.

Automaten im Schwarzwaldmuseum in Triberg
Musikautomaten

Triberg im Mittelpunkt

Auf den Treppen hinab komme ich an romantischen Bildern Tribergs vorbei, während mir der Audio Guide von einer Reisebeschreibung von Albert Kreuzhage erzählt. Weitere Urlaubsberichte von Gustav Schwab, Heinrich Hansjakob, Kurt Tucholsky, Ernest Hemingway und Max Rieple zieren die Treppenhauswand. Bemerkenswert, wie beliebt die Reisen nach Triberg bei diesen besonderen Persönlichkeiten war! Zuletzt komme ich an Glasvitrinen vorbei, in denen Firmenprodukte aus der Stadt wie z.B. Uhren von der Firma Schatz und Zigarrenspender der Firma Griesbacher liegen.

Reiseberichte im Schwarzwald
Bilder und Reiseberichte

Orgeln soweit das Ohr nur hört

Wundervolle Klänge schallen aus dem Orchestrion „Erato“. Ein Gast hatte wohl eine Münze in den riesigen Automaten geworfen. Muntere Töne schallen durch den Raum. Eine bewegliche, von der Rückseite beleuchtete Wassermühle, macht den Musikautomaten noch bezaubernder. Bunte Drehorgeln, Plattenspieldosen, Tischdrehorgeln und Reproduktionsflügel von Welte Mignon füllen den großen Raum. Beim „Bänkelsang und Moritat“ lausche ich gespannt über die Vorgehensweise der Bänkelsänger, die illustriert durch riesige Schautafeln von politischen Ereignissen und Schandtaten trällerten.

Musikautomaten, Drehorgeln und Orchestrion
Drehorgeln

Halbzeit im Museumscafé

Auf einem antiken Kiefernstuhl gönne ich mir eine kleine Pause im Café. Nett hier, denke ich. Familien, Touristen, ältere Menschen oder auch Behinderte im Rollstuhl finden sich hier zusammen. Zwar regnet es gerade, als ich aus dem Terrassenfenster blicke – aber halt! Da steht etwas. Eine Heilige aus Stein? Einen Brunnen mit Figur? Ist das daneben etwa ein Grenzstein? Schnell tippe ich mir die Nummer 66 auf das Gerät. Tatsächlich, hierzu wird etwas erzählt.

Museumscafé im Schwarzwald
Café im Museum

Das badische Städtchen Triberg

In einem beleuchteten Diorama von Wilhelm Maier und fast unverkennbar für mich, zeigt sich das österreichische -heute badische- Triberg vor dem großen Brand 1826. Nur die Wallfahrtskirche erkenne ich, in diesem kleinen, in Bergen eingebetteten Städtchen. Darüber hängt der Zeitungsbericht vom Offenburger Wochenblatt, welcher mir auf spannenden Art und Weise erzählt, was damals geschah.

Nachbau der Stadt Triberg
Diorama von Triberg

In einem Rutsch zum Wintersport

Oder besser gesagt, ein paar Treppenstufen hinab. Lange Sportschlitten füllen den Raum. Im Schaukasten zeigt sich eine alte Skiausrüstung. Nun ertönt die Einführung der 4 beliebten Wintersportarten in meinem Kopfhörer: Ski, Rodeln, Bob und Eiskunstlauf. Mit spitzen Ohren lausche ich, dass der erste Skilift der Welt in Triberg  gebaut wurde. Ein Film zeigt mir zum Schluss etwas über den früheren Schneesport.

Schneesport im Schwarzwald
Wintersport

SABA – einst Marktführer

Wer hat denn so etwas schon gesehn? Ein Kasten in dem Glühbirnen, Drähte und Sonstiges wuchert. Und Das soll das erste Radio von 1926 sein? Hätte ich nicht gedacht! Nach Baujahr geordnet sind hier die antiken Geräte von SABA, vor allem der Rundfunkapparat S35. Hiermit wurde die Firma 1930 Marktführer.

Produkte der Firma SABA im Schwarzwald
Das erste Radio

Der frühere Sitzungssaal vom Heimat- und Gewerbeverein Triberg

In der alten Gewerbehalle zurück, begegne ich erneut der Arbeit des Schnitzersepps. Die Bildhauerwerke an Wänden und Decken widmete er einst dem Museum. In den Glasschränken finde ich heute nachgebaute Schwarzwaldhausminiaturen, Bodenfunde aus der Stadt und ihrem Umkreis, barocke Heiligenfiguren, etwas über die geschichtlichen Wurzeln Tribergs wieder. Überwältigt von der umfangreichen Sammlung betrete ich nun das Eisenbahnzimmer.

Schwert im Schwarzwaldmuseum in Triberg
Exponate Tribergs

Robert Gerwig: Mitgründer der Schwarzwaldbahn

Gar nicht so einfach eine Bahn zu schaffen mit diesen erheblichen Höhendifferenzen im Schwarzwald. Der Ingenieur Robert Gerwig hatte die Idee Kehrschleifen einzusetzen. Damit wurde er international bekannt und wurde später auch Miterbauer des Gotthard Tunnels in der Schweiz. In Raum 12 wird mir die Nachbildung der Schwarzwaldbahn anhand eines riesigen Reliefs in naturgetreuer Handarbeit gezeigt. Selbst der Hausbestand und Straßenverlauf von 1953 wurde originalgetreu übernommen. So z.B. der „Haldenhof“, der heute im Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck steht. Durch Einwurf einer Münze kann ich hier die Fahrt der Miniatureisenbahn bestaunen. In den Glaskästen nebenan sind Schienenfahrzeuge des verstorbenen Kurt Klein ausgestellt.

Schienenfahrzeug im Schwarzwaldmuseum Triberg
Miniatureisenbahn

Einblick in die Geologie

„Feldspat, Quarz und Glimmer, die 3 vergess´ ich nimmer“, dieser populäre Spruch hielt auch im Schwarzwald Einzug. Das dazu ausgestellte Gebirgsrelief gibt mir Einblick in die geologische Zusammensetzung. Kleine Gesteinsbrocken aus dem Schwarzwald finde ich in der Vitrine nebenan. An einem Granitblock aus dem Triberger Wasserfall wird das Resultat einer jahrhundertelangen Strudeleinwirkung veranschaulicht. Unglaublich, was die Natur hier geschaffen hat!

Gestein aus dem Schwarzwald in Triberg
Granitblock aus dem Triberger Wasserfall

„Roter Fuchs…

…di Hoor brennt a,…“ Zwar hallt dieser Narrenruf nicht aus dem Nebenraum, aber man kann den Häs dort lebensecht mit anderen Häser der Triberger Narrenzunft bewundern. Hier wird mir etwas über das schwäbisch alemannische Fest in Triberg erzählt, das bis ins Jahr 1525 zurückreicht und anfangs eher karnevalistisch geprägt war.

Fasnetskostüme im Museum im Schwarzwald
Der rote Fuchs

Orte, die durch den Bergbau benannt

Kennt ihr die Orte Silberburg bei Schonach oder Eisenberg bei Niederwasser? Sie sind Ortsteile, die mit ihrem Namen auf einen wichtigen Wirtschaftszweig, den Bergbau, hinweisen. Zwei Hämmer über einem Holztor weisen mich auf den begehbaren Bergwerkstollen hin. Der Gang hinein, verrät so einiges über die bunt glitzernden Mineralien aus dem Schwarzwald und seiner Randzone.

Bergwerk im Schwarzwaldmuseum Triberg
Mineraliengestein

Der krönende Abschluss

Eine lebensgroße Feilenwerkstätte gibt mir Einblick in ein ausgestorbenes Handwerk. Mit Meißel und Hammer wurden einst Feilen gehauen. Daneben die kunstvolle Treppe vom Schnitzersepp, die mich schließlich zum Ausgang hinführt. Der Treppenpfosten, der einen Reiter auf einem Pferd darstellt, erinnert vermutlich an Goethes Erlkönig. Zurück in der Gewerbehalle, erfahre ich anhand der Zeichnungen an der Decke, die mit der Ziffernfolge 303 beginnend, etwas über die Arbeit im Schwarzwald bis hin zur Wallfahrtskirche „Maria in der Tanne“.

Der Erlkönig in Holzarbeit im Schwarzwald
Schnitzersepps Treppe

Mein Fazit: Man braucht etwas Zeit um das umfangreiche Sortiment anzusehn. Ich empfehle auch den Audio Guide, der mich an Exponate mit spannenden Hintergründen führte an denen ich wahrscheinlich mit keinem Blick vorbeigelaufen wäre. Einige Geschichten brachten mich hier zum Staunen. So umfangreich manche Themen, wie z.B. die der Musikautomaten auch sind, womöglich weiß ich bis heute noch nicht alles. Museumsparkplätze gibt es leider nicht, aber ein nebenanstehendes öffentliches Parkhaus und eine Bushaltestelle. Den Kurzführer hätte ich mir, ohne den Audio Guide, lieber in thematischer Zahlenreihe gewünscht. Im Großen und Ganzen ist der Besuch im Schwarzwaldmuseum unabdingbar, ob für Gäste aus dem Ausland oder die Einheimischen, hier erfährt man nicht nur etwas über den Schwarzwald – man erlebt ihn auch!

Tipps:

  1. Das Schwarzwaldmuseum in Triberg ist bedingt barrierefrei. Die Toilettenebene und der unterste Stock ist momentan, aufgrund einer Baustelle, nicht mit Rollstuhl zu erreichen. Die nächste öffentliche Toilette ist 50 m entfernt am Wasserfalleingang. 
  2. Mitglieder des Museums-PASS-Musées erhalten kostenfreien Eintritt,
  3. auch Inhaber der SchwarzwaldCard erhalten kostenlosen Zugang.
  4. Öffnungszeiten April bis September täglich 10-18 Uhr, von Oktober – März täglich (außer montags) von 10-17 Uhr.
  5. Führungen durch Voranmeldung möglich in den Sprachen Deutsch, Französisch, Englisch, Holländisch, Spanisch und Italienisch.
  6. Das Museumscafé ist nur in der Sommerzeit von April bis Oktober geöffnet. Für größere Gruppen auch außerhalb der Zeiten.

 

 

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